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Zum Beginn der künstlerischen Leitung von Patricia Nickel-Dönicke werden zwölf Regisseur:innen dieser und der darauffolgenden Spielzeit zusammen mit dem gesamten Ensemble sowie dem neugegründeten Stadtensemble „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ auf die Bühne bringen. 70 Jahre nach seinem Tod beeinflusst Brecht nach wie vor die zeitgenössischen Theaterformen. Durch seine Verfremdungseffekte, sowie durch Lieder, Erzählerkommentare, Tanz, Puppenspiel und Film weltberühmt geworden, wird die Vielschichtigkeit von Brechts Wirken zum Saisonauftakt neu erprobt.



Und welches Stück eignet sich dafür in diesen Zeiten besser als „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“? Während der grassierenden Wirtschaftskrise in Chicago tritt der Kleinganove Arturo Ui ins Milieu der Grünzeughändler:innen ein. Er garantiert dem „Karfioltrust“ durch ein dubioses Geschäftsmodell den Erhalt ihrer Einnahmen, um sich so seinerseits Zugang zum Stadtrat und in die erweiterten Kreise der Chicagoer Polit-Elite zu verschaffen. Einmal in unsauberen Geschäften vereint, müssen die Grünzeughändler:innen dabei zusehen, wie Ui auf den Straßen Chicagos ebenso wie im politischen Tagesgeschäft nach und nach das Recht des Stärkeren etabliert. Von seiner Gier nach Macht gleichermaßen getrieben wie von seinen nimmersatten Gangster- Kolleg:innen wird Chicago für Ui bald zu klein und er entdeckt in der Wirtschaftlichkeit des Krieges das ideale Export-Geschäft.



Brechts Historienfarce rekonstruiert minutiös die Mechanismen und Muster, mit denen sich faschistische Ideologien in einen Staat und dessen Zivilgesellschaft fressen. Am Ende des Stückes steht in historischer Parallele zur Annexion Österreichs 1938 der ultimative Bruch mit dem internationalen Völkerrecht. Je klarer und bekannter die einzelnen Etappen auf Uis Weg erscheinen, desto entschiedener stellt sich die Frage: Warum hält hier die Mitte einer Gesellschaft still und lässt diese Entwicklungen geschehen? Glaubt sie heimlich, vom Aufstieg eines Gangsters profitieren zu können?



Überall auf der Welt werden derzeit wie in Brechts „Arturo Ui“ machtgierige Narzissten zu Politikern, erleben Kunst und Presse überwunden geglaubte Angriffe auf ihre Freiheit, etablieren sich internationale Umgangsformen aus der Gangsterzeit des vergangenen Jahrhunderts. Auch in Europa werden die Fragen immer drängender, wie der Aufstieg demokratiefeindlicher Kräfte noch aufgehalten werden kann. Die kollektive Auseinandersetzung mit Brechts Vorlage ist daher auch eine Positionierung für ein Miteinander, ohne das demokratisches Zusammenleben nicht widerstandsfähig ist.

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