Albumpräsentation
Romana Amerling und ihr Ensemble präsentieren ein Gesprächskonzert, das die spannende Künstlerwelt der 1920er Jahre und die bewegte Biografie einer außergewöhnlichen Künstlerin beleuchtet. Erleben Sie eine Hommage an ein fast vergessenes musikalisches Erbe.
Bei einem Besuch des Wien Museums am Karlsplatz bemerkte die Sängerin Romana Amerling ein Schild, auf dem der Name einer ihr unbekannten Künstlerin stand: "Hilde Loewe-Flatter (Pseudonym: Henry Love), Wien 1895-1976 London. Die Komposition 'Das alte Lied' begeisterte ein breites Publikum, zahlreiche Interpreten - von Richard Tauber über Marlene Dietrich bis Hildegard Knef sangen es." Neugierig geworden, begann Romana Amerling über die Musikerin zu recherchieren. Die Wienerin komponierte in den 1920er und 1930er Jahren unter dem männlichen Pseudonym "Henry Love" Songs, Chansons, Wienerlieder, Blues, Foxtrotts und Tangos. Sie verehrte Arthur Schnitzler, dem sie in jungen Jahren Briefe schrieb, sie war in einen Kollegen von Sigmund Freund verliebt und pflegte eine tiefe Freundschaft zum Burgschauspieler Raoul Aslan, der sie auch zum Auftreten animierte. Bei diesen kleinen Shows sang er ihre Lieder, Hilde Loewe-Flatter begleitete ihn am Klavier. Die Recherchen von Romana Amerling ergaben, dass es kaum Tonaufnahmen der Musik von Henry Love gibt, sie begann nach Noten zu suchen und fand zuerst einmal nichts. Erst nach und nach entdeckte sie vor allem in Deutschland Material. Das Erstaunliche: Der Großteil der Werke von Hilde Loewe-Flatter alias Henry Love ist nur handschriftlich und teilweise fragmentarisch in verschiedenen Archiven und Bibliotheken erhalten. Ihre Lieder wurden weder verlegt noch sind sie in den vergangenen 90 Jahren - bis auf "Das alte Lied" - auf Tonträgern festgehalten.
Romana Amerling begeistert sich neben ihrer Tätigkeit als Opern- und Konzertsängerin seit jeher besonders für Interpretinnen von Chansons und begann das gesamte Material von Henry Love durchzuarbeiten, um dieses in Konzerten einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Klarinettisten Daniel Ottensamer, und dem Pianisten Nobuo Watanabe wurden die Lieder rekonstruiert und authentische Neufassungen für Gesang, Klavier, Kontrabass, Schlagwerk und Klarinette geschaffen. Mit der Unterstützung von Herbert Mayr, Kontrabass, und Sebastian Baumgartner, Schlagwerk, wurde ein Album aufgenommen, das am 21. Februar im ORF RadioKulturhaus präsentiert wird. Im Rahmen eines Gesprächskonzertes wird Romana Amerling, unterstützt von ihrer Musikgruppe, einige Chansons, Tangos und Paso-Dobles singen und mit Ö1 Moderator Bernhard Fellinger aus dem interessanten und bewegten Leben der jüdischen Musikerin erzählen. In den Geschichten werden Sie nicht nur, wie bereits erwähnt, auf Arthur Schnitzler und Raoul Aslan treffen, sondern auch auf Gustav Mahler und Fritz Löhner-Beda und eintauchen in die aufregende Künstlerwelt der sogenannten "Goldenen 20er Jahre" und Hilde Loewe-Flatter und ihrem späteren Ehemann ins Exil nach England folgen.
Text: Bernhard Fellinger