Weinzierl, um 1751
Ein junger Musiker, Anfang zwanzig kommt auf Schloss Weinzierl in die Sommerresidenz des Barons Carl Joseph von Fürnberg. Er heißt Joseph Haydn. Der Baron, ein Musikliebhaber, bittet ihn um ein neues Werk für vier Streicher. Was in diesen Räumen entsteht, ist Haydns erstes Streichquartett – ein unscheinbarer Anfang, der die Geschichte der Musik verändern wird. Aus dieser einen Komposition wächst über Jahrzehnte jene Klarheit, jenes Gleichgewicht von Form und Empfindung, die man später die Wiener Klassik nennen wird. An genau diesem Ort kehrt HAYDN × 4 zurück an den Anfang – um zu zeigen, wohin dieses Streichquartett in Haydns kompositorischem Schaffen geführt hat.
Ein Komponist auf dem Weg zur Klassik
Von Weinzierl aus entwickelt sich Haydns Handschrift über Jahrzehnte weiter: vom kammermusikalischen Dialog der vier Streicher zur reifen, farbigen Sprache der Solokonzerte für Bläser, Blech und Streicher. Vier dieser Konzerte treffen an diesem Abend zum ersten Mal in einer einzigen Aufführung aufeinander – eine Programmidee, die es an diesem authentischen Ort so noch nicht gegeben hat. Was Haydn in Weinzierl begann, wirkt weit über sein eigenes Werk hinaus: Er legte die Form, an der sich auch Wolfgang Amdeus Mozart orientierte, und öffnete den Weg, den dann Ludwig van Beethoven weitergehen sollte. Drei geniale Komponisten, drei eigene Persönlichkeiten – und doch alle drei auf der Basis dessen, was im Schloss Weinzierl vor rund 275 Jahren mit dem ersten Streichquartett von Joseph Haydn seinen Anfang nahm.
Das Abendprogramm: vom Zarten zum Strahlenden
Die Reihenfolge der vier Solokonzerte folgt bewusst einem Bogen: vom zarten, intimen bis hin zum strahlenden, festlichen Klang. So wird der Abend selbst zu einer Erzählung von Haydns eigener musikalischen Entwicklung.
1. Oboenkonzert C-Dur, Hob. VIIg:C1
Gespielt vom erst 16-jährigen Ausnahmetalent Lara Stangl – ein zartes, jugendliches Werk, dargeboten von der jungen Solistin am Beginn ihrer Karriere, so wie Haydn in Weinzierl am Beginn seiner Laufbahn stand. Und sie kommt noch dazu aus Eisenstadt im Burgenland, wo Haydn im Schloss Esterhazy seine großen Erfolge feierte.
Haydns Oboenkonzert hat einen Reichtum an kontrastierenden Stimmungen und Melodien, ist außergewöhnlich und in der klassischen Musik ohnegleichen.
2. Hornkonzert D-Dur, Hob. VII d:4
Gespielt von Hermann Ebner. Der Solohornist des Orchesters Wiener Akademie trifft auf seinem Horn immer den richtigen Ton und hat national und international viele Hornkonzerte als Solist bestritten, u.a. mit der Camerata Academica Salzburg, der Camerata Bern, dem Wiener Kammerorchester, Mattheus Ensemble Paris und weitere.
Das Hornkonzert ist voll strahlender Energie und Brillanz bis hin zu sehr warmen Tönen und hat im Finale einen mitreißenden, tänzerisch beschwingten Ausklang, der das Werk mit spielerischer Leichtigkeit und technischem Feuerwerk beschließt.
3. Cellokonzert D-Dur, Hob. VII b:2
Gespielt von Wolfgang Panhofer. Der Cellist wurde von der Presse als zweiter Rostropowitsch bezeichnet. Ein internationaler, erstrangiger Musiker aus Wien, der in den USA seine Premiere in der Carnegie Hall gespielt hat und dort enthusiastisch gefeiert wurde. Als Mitglied des Trio Amadeus Wien erhielt er im Wiener Konzerthaus Standing Ovations.
Das Cellokonzert D-Dur von Haydn ist virtuos, zeigt bereits starke Einflüsse der Wiener Klassik und stellt hohe Ansprüche an den Cellisten und ist ein Meisterwerk des großen Komponisten. Der 3. Satz ist einer der beliebtesten Cellokonzert-Finalsätze überhaupt.
4. Trompetenkonzert Es-Dur, Hob. VII e:1
Gespielt von Georg Weirer. Geboren und aufgewachsen auf einem Bauernhof in den Bergen im Süden Niederösterreichs, substituiert er regelmäßig in den renommiertesten österreichischen Orchestern und Opernhäusern und bestreitet neben seiner Unterrichtstätigkeit an diversen Musikschulen zahlreiche Konzerte mit dem Wiener Kammerorchester sowie mit dem Strauss Festival Orchester Wien im In- und Ausland. Seiner Heimat, der Landwirtschaft und der Volksmusik bleibt er trotz seines umtriebigen Lebens aber bis heute verbunden.
Das Trompetenkonzert von Joseph Haydn ist der Abschluss des Konzertabends Haydn x 4. Eines von Haydns letzten und kühnsten Werken, 1796 geschrieben für die neu erfundene Klappentrompete. Das Konzert verkörpert den Klang des Komponisten Joseph Haydn, der von der stillen Kammermusik in Weinzierl zur vollen, virtuosen Klangwelt der Wiener Klassik gefunden hat und endet mit einem strahlend festlichen 3. Satz, in dem Solotrompete und Orchester gleichberechtigt kommunizieren.
Ausführendes Orchester:
Musica Spontana:
Das Orchester Musica Spontana wurde 1982 gegründet und ist fest verwurzelt in Niederösterreichs reichem Kulturleben und darüber hinaus. Es arbeitet eng mit Chören und Solisten zusammen und ist bekannt für vielseitige und genreübergreifende Projekte. So standen zahlreiche Musiktheaterproduktionen, Filmmusikkonzerte, Galas und Klassikkonzerte am Programm.
Dirigent Bernhard Thain:
Mit 11 Jahren begann er mit dem Tenorhorn, mit 13 dann Klavier und Posaune. Mit 22 inskribierte er das Konzertfachstudium Posaune am Konservatorium Wien und gleichzeitig ein Kirchenmusikstudium im Hauptfach Orgel am Diözesankonservatorium St. Pölten. Des weiteren übernahm er Ensembleleitungen und Dirigate an der Musik Privatuniversität Wien und an der Universität Mozarteum Salzburg. Er spielt seit seinem 14. Lebensjahr Orgel und leitet seit seinem 20. Lebensjahr diverse Blasorchester, Auswahlorchester und Musiktheaterproduktionen. Seit 2008 leitet Bernhard Thain das Orchesters Musica Spontana.