Im Jahr 1815 befand sich Ludwig van Beethoven in einer Schaffenskrise. Besonders litt er unter dem immer dramatischer fortschreitenden Verlust seines Hörvermögens: »[V]erdrießlich über vieles empfindlicher als alle andern Menschen, und mit der Plage meines Gehörs finde ich oft im Umgange andrer Menschen nur Schmerzen«, beklagte er sich gegenüber seinem Freund Joseph Xaver Brauchle. Einen Ausweg aus der Krise bot ihm schließlich das Komponieren von Kammermusik. Die zwei Sonaten für Violoncello op. 102 entstanden im Sommer 1815. Beethoven widmete sie seiner langjährigen Unterstützerin Anna-Maria Erdödy und Joseph Linke, dem Cellisten des Schuppanzigh-Quartetts. Die zwei Sonaten, die in ihrem kontrapunktischen Charakter auf Beethovens intensives Studium der Musik Johann Sebastian Bachs zu dieser Zeit schließen lassen, markieren den Beginn seines Spätwerks.

Hundert Jahre nach Beethoven begann Claude Debussy ebenfalls mit der Arbeit an einem Sonatenzyklus, der von der französischen Musik des Barocks inspiriert war. Die darin enthaltene Cellosonate hat insofern auch nur wenig mit der klassischen Sonatenform gemeinsam: Die drei Sätze besitzen freie Formen und poetische Titel. Indessen vereint Rachmaninoffs romantische Cellosonate aus dem Jahr 1901 schwelgende Kantilenen mit klassischen Formprinzipien und so manchem eigenwilligen Twist.

Programm

Ludwig van Beethoven // 1770–1827
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 4 C-Dur op. 102, Nr. 1 // 1815
Sonate für Violoncello und Klavier Nr. 5 D-Dur op. 102, Nr. 2 // 1815

Pause

Claude Debussy // 1862–1918
Sonate für Violoncello und Klavier d-Moll L. 135 // 1915

Sergei Rachmaninoff // 1873–1943
Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll op. 19 // 1901

Besetzung

Jean-Guihen Queyras | Violoncello
Alexander Melnikov | Klavier

Eventdaten bereitgestellt von: oeticket

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