Christoph Sietzen & Motus Percussion
Montag, 28.09.2026 um 19:30 Uhr
Christoph Sietzen & Motus Percussion
Montag, 28.09.2026
um 19:30 Uhr
ENDLICH
»Wenn endlich endlich kommt […]
Dann sei anders, damit die Welt sich verändert, damit sie die Richtung ändert, endlich!«
Ingeborg Bachmann: Das dreißigste Jahr
gemeinsam im ›stehenden jetzt‹
Endlich fängt es an – das Thema, dem sich das Brucknerfest Linz 2026 verschreibt, ist nicht weniger als die ›Fest-Stellung‹ des Festes selbst. Denn zu dessen Wesen zählt zuerst einmal seine Zeitlichkeit; sein Beginn und sein Ende, gleichzeitig aber auch das Streben nach Unendlichkeit: in Klängen, Worten und Gesten, im Aneinander-Denken und Sich-Begegnen den nur der Fantasie erlaubten Kunstgriff zu gebrauchen, der das Entweder-oder ins Sowohl-als-auch verwandelt, die Endlichkeit mit der Unendlichkeit verschwestert.
Denn wenn am 4. September 2026 Riccardo Chailly und die Filarmonica della Scala an Anton Bruckners Geburtstag vor 202 Jahren erinnern, wenn Franz Welser-Möst an Bruckners 130. Todestag am 11. Oktober nach 25 Jahren seinen Abschied als Chefdirigent des Cleveland Orchestra feiert – und wenn, von diesen Höhepunkten eingerahmt, vom 13. bis 30. September das Brucknerhaus und ganz Linz in musikalischen Ausnahmezustand gerät, dann, endlich, öffnet sich der Raum des ›Nunc stans‹, des ›Stehenden Jetzt‹: Die Zeit hält den Atem an, zwischen unendlicher Vergangenheit und unendlicher Zukunft tritt der eine kostbare Moment hervor, den nur das gemeinsame Erleben des Außergewöhnlichen heraufbeschwören kann.
Vielleicht ist es Immanuel Kants »Land der Wahrheit«, ein Ort der Ideale, »umgeben von einem weiten und stürmischen Oceane, […], wo manche Nebelbank und manches bald wegschmelzende Eis neue Länder lügt«. Eine Insel inmitten dessen, was wir Alltag nennen. Kein Rückzugsort, sondern ein Ort des Aufbruchs auf dem »kaum erkennbaren Pfad von Nicht-Zeit [...], eine Art zeitlose Zeit, in der die Menschen zeitlose Werke schaffen können, um mit ihnen ihre eigene Endlichkeit zu transzendieren« (Hannah Arendt). Das Brucknerfest Linz 2026 versucht, diese »zeitlose Zeit« aufzufächern und damit ein Hörfeld, einen Begegnungsort zu schaffen, der uns im Wortsinn konzentriert und uns im endlichen Raum des Hier und Jetzt zusammenführt.
Und Bruckner? Dessen Musik ist tönendes Fundament für eben diesen Raum »in dem wir neu sehen, uns anders ins Verhältnis setzen können zu uns selbst und zur Welt und zur Möglichkeit der Unendlichkeit «, wie es Jagoda Marinić in ihrer Festrede 2025 so dringlich formulierte. 2026 wird Bruckner in vielen Formen abseits des Erwartbaren im Zentrum des Brucknerfestes stehen: improvisiert, neu kontextualisiert, unkonventionell arrangiert, kreativ weitergedacht – in Uraufführungen und letzten Werken, Debüts und Abschiedskonzerten, an bekannten und neuen Orten.
Andreas Meier Leiter
Programmplanung & Dramaturgie
Eventdaten bereitgestellt von: oeticket
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Motus Quartett - KammermusiKlassik
Mit einem Bogen von der Wiener Klassik über die musikalische Moderne bis zur spätbeethovenschen Klangwelt führt das Motus Quartett durch ein Programm, das nicht nur stilistische Vielfalt, sondern auch einen expliziten Wien-Bezug trägt. Joseph Haydns Streichquartett g-Moll op. 74 Nr. 3, das berühmte „Reiterquartett“, entstand während Haydns Londoner Reisen, doch wurzelt seine formale Klarheit tief in jener wienerischen Quartetttradition, die Haydn begründet hat. Anton Weberns 5 Sätze für Streichquartett op. 5 hingegen stehen exemplarisch für die radikale expressive Verdichtung der Zweiten Wiener Schule – Miniaturen, in denen jeder Klang zum Ereignis wird. Den Abschluss bildet Ludwig van Beethovens Es-Dur-Quartett op. 127, das erste der späten Quartette, in denen Beethoven auf unvergleichliche Weise die Grenzen des Genres erweitert und damit das Streichquartett endgültig zu einem philosophischen Raum erhoben hat.
Das vielfach preisgekrönte Motus Quartett wurde 2022 gegründet und besteht aus Tim de Vries (Niederlande), Karla Križ (Kroatien), Salvatore Borrelli (Italien) und Domonkos Hartmann (Ungarn). Es zählt zu den spannendsten Ensembles seiner Generation. Die vier Musikerinnen studieren bei Johannes Meissl an der mdw und erhielten prägende Impulse u. a. von Hatto Beyerle, Valentin Erben, Peter Schuhmayer und dem Jerusalem Quartet.
Internationale Anerkennung erhielt das Ensemble u. a. mit dem 1. Preis und Sonderpreis der Frühklassik beim Internationalen Joseph Joachim Wettbewerb Weimar 2025, dem 3. Preis und zwei Sonderpreisen beim Trondheim International Chamber Music Competition, sowie dem mdw Great Talent Award (powered by Christian Zeller). Weitere Auszeichnungen der Internationalen Sommerakademie der mdw, darunter der Artis-Quartett-Preis und der Preis der Wiener Klassik, unterstreichen die künstlerische Qualität des Ensembles. Auftritte im Wiener Konzerthaus, im Musikverein Wien und im Concertgebouw Amsterdam markieren wichtige Meilensteine, bevor im Januar 2026 das Debüt in der Wigmore Hall folgt.
Thüringen
15.03.2026
17:00 Uhr
Tickets
ab 29,50 €