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Pop erzählt gern von Eindeutigkeiten: von klaren Haltungen, klaren Gefühlen, klaren Sounds. Doch die Wirklichkeit ist oft widersprüchlicher. My Ugly Clementine setzen genau an dieser Stelle an. Die Wiener Band interessiert sich nicht für das Entweder-Oder, sondern für das Dazwischen. Für Momente, in denen Unsicherheit nicht kaschiert, sondern sichtbar wird. Für Energie, die nicht glatt ist, sondern Reibung erzeugt.

Gegründet 2019 von Sophie Lindinger, vereint die Band mit Mira Lu Kovacs und Nastasja Ronck an den Gitarren sowie Günther Paulitsch am Schlagzeug mehrere prägende Stimmen der Wiener Musikszene. Der Begriff "Supergroup" fiel früh - nicht als Marketingidee, sondern als Reaktion auf die offensichtliche künstlerische Substanz dieses Projekts. Schon das erste Konzert war innerhalb kürzester Zeit ausverkauft, lange bevor überhaupt Musik veröffentlicht war. Ein ungewöhnlicher Auftakt, der sich schnell als gerechtfertigt erwies: Die Debütsingle "Never Be Yours" schoss an die Spitze der FM4- Charts, das Album "Vitamin C" wurde europaweit ausgezeichnet. Seither reiht sich ein Meilenstein an den nächsten: Festivalauftritte etwa beim Eurosonic Noorderslag, mehrere Amadeus Awards und eine stetig wachsende internationale Aufmerksamkeit.

Doch Erfolg allein erklärt nicht, warum diese Band so viele Menschen erreicht. My Ugly Clementine verbinden eine rohe, gitarrengetriebene Direktheit mit einem ausgeprägten Gespür für Melodien. Ihre Songs verhandeln Themen wie Feminismus, Gleichberechtigung und Empowerment, ohne je belehrend zu wirken. Es ist ein Zugang, der politisch ist, weil er Erfahrungen ernst nimmt, die eigenen ebenso wie die der anderen. Mit ihrem dritten Album "Apply Autonomy" schärfen sie dieses Profil weiter. Die Stücke klingen unmittelbarer, manchmal ungestümer, dann wieder fast fragil. Es ist ein Album, das Spannungen nicht auflöst, sondern produktiv macht.

Auf der Bühne zeigt sich, wie konsequent diese Haltung gedacht ist. My Ugly Clementine suchen den Kontakt, stellen Fragen, schaffen Raum. Sie wirken aufmerksam und präsent, ohne die Distanz zwischen Bühne und Publikum komplett aufzulösen. Gerade daraus entsteht eine besondere Dynamik: Die Konzerte bleiben intensiv, ohne sich in Pathos zu verlieren. Live gewinnen die Songs an Druck und Offenheit zugleich. Gitarren treiben stärker, Rhythmen verschieben sich, Stimmen tragen weiter. Das Publikum hört nicht bloß zu, sondern ist Teil eines gemeinsamen Geschehens, das sich von Abend zu Abend verändert.

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